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Cur deus homo? - Warum Gott Mensch wurde

cur deus homo - predigt online gottesdienst
Predigt von Tadeusz Prokop

Cur Deus Homo?
Wie stehen Sie zu Jesus Christus? Wer ist Jesus Christus für Sie? Gott selbst? Gottes Sohn? Menschenkind wie Sie? Und was feiern wir eigentlich zu Weihnachten? Dass Gott in Bethlehem zur Welt kam? Dass Gott Mensch wurde? Wir hören aber von Gott, dass er keinen Anfang und kein Ende hat. Bekommt er  ein Geburtsdatum? Am 25. Dezember geboren? Geboren um zu sterben? Wie wir Menschen? Und was ist mit ihm passiert, sollte er wirklich geboren worden sein? Hat er den Himmel verlassen? Seinen Schutz über die Welt aufgegeben? Ist Gott im Körper von Jesus eingesperrt worden? Wie in einer Nussschale? Ja, wer ist eigentlich Gott und wer ist dieser Jesus von Nazareth? Was können wir über ihn sagen?

Wer Gott ist

Dass ein Gott Kinder zeugt, ist uns aus der griechischen Mythologie bekannt. Zeus zeugte mit Demeter das Kind Dionisos, den Gott des Weines. Herkules zeugte viele Kinder. Und Apollo, der Beschützer der Künste zeugte den berühmten Sänger Orpheus. Die meisten Christen denken bei Jesus Christus, den " Sohn Gottes" an einen ähnlichen, aus der Mythologie bekannten  Vorgang.  Gott Vater, zeugte mittels des Heiligen Geistes seinen Sohn, den man Jesus nannte? Kann Gott Kinder zeugen? Wie wir Menschen? Dürfen wir über Gott so denken? Uns Gott so menschlich vorstellen?

Wer Gott ist, das ist ein großes Geheimnis. In der Bibel sagt Gott von sich: Ich bin wer ich bin - so offenbarte er sich Mose. Sein Name ist JAHWE. Luther hat das hebräische JAHWE mit  „Herr“ übersetzt. Das war ein sprachliches „Unglück“ – als wäre dieser Jahwe vorstellbar! 

Was dieses "Ich-Bin" bedeutet ist schwer beschreibbar. Auch ich kann mich mein „Ich bin“ nicht wirklich vorstellen. Ich bin Tadek! (Kosename von Tadeusz). Wer ist aber Tadek? Menschen hören meine Worte, sehen, wie ich mich bewege, werden mit meinem Lachen aber auch manchmal mit meinem Ärger konfrontiert. Wer ich und wer Sie sind, das ist und bleibt aber ein Geheimnis! Umso weniger können wir uns vorstellen, was es heißt wenn Gott sagt „Ich bin wer ich bin“. Gott ist Geist. Gott ist ein Wesen mit einem „DU“. Durch dieses „DU“  können wir mit Gott kommunizieren. Es ermöglicht Beziehung und Liebe.  "Ich" und "Du", "Du" und "Ich".

Wer Jesus ist

Sich Jesus als göttliches Wesen vorzustellen, das von Gott gezeugt wurde und nach menschlicher Vorstellung sein Sohn ist oder umgekehrt - dass dieser Gott, der ohne Anfang und Ende ist, eine menschliche Gestalt annimmt und im Menschen Jesus wie in einer Nussschalle eingesperrt wird  - das grenzt an Blasphemie, an Gotteslästerung. Es macht mir zu schaffen wenn ich zu Weihnachten höre, dass Gott in Bethlehem geboren wurde oder am Karfreitag, dass Gott am Kreuz gestorben ist.

Ich spreche nicht gerne die alten Glaubensbekenntnisse. Weil sie leider wenig die Botschaft der Bibel bezeugen. Glaubensbekenntnisse sind Lehrsätze, Beschlüsse, Verordnungen  der Kirche mit dem Anspruch der göttlichen Autorität.

Jesus hat sich selbst nie als Gottes Sohn bezeichnet und er sagte nie von sich, dass er wahrer Gott sei. Wenn das Neue Testament ihn dennoch als „Sohn“ nennt, dann wird hier nicht ein physischer Sohn  wie in den hellenistischen Mythen gemeint, sondern vielmehr eine geistliche und absolute Verwandtschaft Jesu mit dem Willen, dem Wort, der Offenbarung Gottes. Nur in diesem Sinne ist Jesus Gottes Sohn und Gott sein Vater. Nicht aber als ein zweiter Gott neben dem Vater. Sondern in dem Sinne, dass in keinem anderen Menschen uns Gott  so nahe gekommen ist,  wie in Jesus von Nazareth. Deshalb sagt er zu recht: Wer mich sieht, sieht den Vater. Christen glauben, dass in Jesus Christus der wahre Gott „erschienen“ ist. In seinem Wort ist Gottes Wort, in seinem Willen ist Gottes Wille, in seinem Handeln ist Gott am Werk.  Jesus ist Gottes Sachwalter, Repräsentant und Stellvertreter. Und dennoch: Er ist nicht JAHWE , sondern das Gegenüber von ihm. Gott ist die Quelle, er ist der Fluss. Gott  ist der Gebende, er ist der Empfänger. Gott ist die Fülle, er  die Leere. „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist  der Weingärtner“ (Joh 15,1), „Der Vater ist größer als ich“ – bekennt Jesus in der Abschiedsstunde (Joh,14,28)) kurz vor seinem Tod am Kreuz. Eine göttliche Verehrung erhielt Jesus drei Tage danach als Gott ihn von den Toten auferwecken ließ. Nicht wegen dem Kreuz versammelten sich die ersten Christen sondern nur wegen der Auferweckung. Deshalb kann Paulus zu recht sagen: Ist Christus nicht auferweckt worden, so ist unsere Predigt nichtig, und nichtig auch euer Glaube.

Jesus wurde in  den Himmel, d.h. in den für uns unsichtbaren Lebensraum Gottes, in die Herrlichkeit des Vaters aufgenommen.  Er wurde nicht wie aus dem Schlaf geweckt sondern von Gott radikal in einen ganz neuen, ganz verschiedenen Zustand verwandelt, in ein anderes, neues, endgültiges, unsterbliches Leben.  Nachdem der Auferweckte in Gottes Lebensbereich aufgenommen wurde, hat er teil an Gottes Herrschaft und Herrlichkeit.  Jesus bekommt göttliche Würde, wird zum Christus, was wiederum sprachlich in einem Bild ausgesagt wird: "Er sitzt zur Rechten des Vaters". Als ein solcher und nur als dieser  kann Jesus Christus  als der Herr  seinen Herrschaftsanspruch für alle Menschen geltend machen.  Der Gekreuzigte wird zum Auferweckten und zum göttlichen Herrn der in die Nachfolge ruft! Zu meinem Herrn mit dem ich im Gebet verbunden bin wie mit „seinem Vater“! (siehe dazu auch besonders 1 Korinther 15, 27-28)

Von „unten“ glauben  

Viele Jahre meines Lebens  lebte ich mit einer Vorstellung von Jesus, die „von oben“ sozusagen kam, vom Himmel hoch, ohne sie zu verstehen: Jesus Christus die zweite Person der Dreifaltigkeit, eine göttliche Person in zwei Naturen, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrer Gott aus wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. Mein Glaube blieb aber unbefriedigt. Bis ich Jesus „von unten“ sozusagen, aus der Perspektive seiner Jünger, aus dem Zeugnis der Heiligen Schrift kennenlernen durfte, als reale Gestalt der Geschichte. Das Christentum ist keine abstrakte Dogmatik, sondern eine lebendige Gestalt an der sich alles entscheidet: und das ist Jesus von Nazareth, auf dessen Fest der Geburt wir uns nun wieder einmal vorbereiten.

Kommentar: #1 Jörd Gschaider
Begreifen wollen ist der falsche Weg. Es klingt so banal, aber es ist so: Es gibt Bereiche, die kann man nicht begreifen. Aber einwirken lassen kann man sie.
So, wie Kinder vieles nicht begreifen, aber glückstrahlend annehmen.Ich nenne das Gefühl des Einwirkenlassen s "die Blase", die mir geschenkt wurde, mit deren Hilfe ich - wenn die Gedanken frei sind, sich vom Zwang alles begreifen zu müssen und negativen Gefühlen wie Ärger, Neid, Zweifel etc. befreit sind - über sämtliche Niederungen hinwegschweben kann. Der Haken an der Geschichte ist das sich befreien können. Gerade wenn man sich furchtbar ärgert, wenn man leidet, unbedingt etwas verstehen will, sich selber leid tut... Ist diese Blase vielleicht der heilige Geist?

 

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Bild von Jörg Gschaider

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