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"Lachen - Das Vitamin des Lebens"

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Predigt von Tadeusz Prokop

Lustige Ansprache im Altenheim unterschiedlich angenommen
Mit den Einweihungen von Altenheimen habe ich anscheinend kein besonderes Glück. Dabei bin ich trotz kleiner Misserfolge wirklich stur  wie ein Esel und nehme als Grundlage für die Ansprache immer die gleiche Bibelstelle.  Sie scheint mir für die Gegebenheit besonders passend zu sein. Als Abraham, der Stammvater Israels von Gott aufgefordert wurde, seinen Wohnort zu wechseln und in die neue, unbekannte Heimat zu ziehen, war er bereits - wie viele Heimbewohner  - 75 Jahre alt. Beim Aufbruch hörte er wie Gott zu ihm sagt:  Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen (1. Mose 12,1-3). Beim ersten Mal machte ich daraus eine leichte Ironie. Die Wohnstätte für alte Menschen bezeichnete ich als "Fluchort", der trotz technischer und logistischer Errungenschaften unserer Zeit von Krankheit, Hinfälligkeit, dem Engen Zusammenleben, der mangelnden Kommunikation mit der Außenwelt  nicht zuletzt vom  Tod  heimgesucht wird . Nun war es aber Schluss mit lustig bei der Feststimmung! Der Spaßpfarrer merkte an den Mienen der Festgäste, dass sein Humor  ziemlich in die Hose gegangen ist. Beim anschließenden Buffet ist er mit seinem Steak meist allein geblieben. Beim anderen Mal habe ich es anders versucht: ich  nahm mir vor, aus Abrahams 75  eine echte Lachnummer  zu machen. Nach dem Motto: "Lach Mal wieder!" habe ich versucht, meine Zuhörer zu überzeugen, dass das Leben erst mit 75 anfängt und einer vom Alter erst dann sprechen kann, wenn er auf die 100. zugeht. Es ist mir tatsächlich gelungen, eine heitere Stimmung zu erzeugen. Im Anschluss darauf hatte ich sogar große Mühe, zu meinem Steak zu kommen. Einige Wochen später hörte ich allerdings,  dass manche mit der Art meines Auftretens damals echte Schwierigkeiten gehabt haben. Ich sei schwer einschätzbar, da manche nicht wirklich wussten ob sie es  mit einem Clown oder doch mit  einem "Hochwürdigen" zu tun hatten.

Es gibt Probleme mit dem Lachen - auch in den Kirchen
Ob Lachen die beste Medizin ist? Das Vitamin für das Leben? Das scheint eine allgemeine Überzeugung zu sein.  Doch Lachen ist nicht gleich Lachen. Und manchmal ist Lachen gar nicht komisch! Das spüren vor allem die Kinder. Es kann einem Kind nichts Schlimmeres angetan werden als wenn man es auslacht.
Im kalifornischen Städtchen Austin wird von einem 12-jährigen Schüler erzählt, der an Übergewicht gelitten hat. Das Kind wog 130 Kilogramm. Es wurde ständig dem Spott seiner Mitschüler ausgeliefert.  Das  Auslachen erzeugte in ihm so viel Wut, dass er eines Morgens nicht nur die Schulbank umgeworfen hat, sondern anschließend angefangen hat, den Klassenraum zu zerstören. Innerhalb von wenigen Minuten hat er seine Umgebung völlig verwüstet und wurde zur Bedrohung für  alle, die sich in seiner Nähe aufgehalten haben.

Es gibt freudiges, verspieltes und heilsames Lachen, aber auch spöttisches, hämisches und zynisches Lachen. Vielen Menschen bleibt das Lachen im Halse stecken, weil sie nichts zum Lachen haben.  Und außerdem kann es  beim Lachen oft zu Kommunikationsproblemen kommen, weil das Lachen bei Menschen, die keinen Sinn für Humor haben, nicht ankommt. Diese schmerzliche Erfahrung musste ich in meinem Leben öfter als es mir lieb war, machen. Am schlimmsten war es im Priesterseminar in der Frühmesse um 6 Uhr. Ich hatte immer wieder was zum Lachen und anschließend auch zum Beichten - bei meinen Vorgesetzten. Ja, das Lachen in der Kirche und unter den Christen hat nicht unbedingt einen hohen Kurs. Angeblich hat Jesus nie gelacht. Aber auch der Zustand der nicht erlösten Welt sei so besorgniserregend, das Lachen bis zum Jüngsten Gericht nicht wirklich angebracht ist.  Dass manche Gemeinden an eine Versammlung der Nicht-Erlösten erinnern,  dürfte allgemein bekannt sein.

Gesundes Lachen ist Ausdruck des Humors
Die Dokumentation "Zeit zu gehen" von Anita Natmeßnig (Österreich, 2006) war ein großer Kinoerfolg. Das Kamerateam begleitete fünf unheilbar krebskranke Menschen in einem Hospiz,  die letzten Monate, Wochen und Tage ihres Lebens in einer Umgebung verbringen, wo das Sterben als natürlicher Teil des Lebens akzeptiert wird. Es ist auffallend, dass die Protagonisten humorvoll  Einblick in die Dinge geben, die sie kurz vor dem Sterben beschäftigen. Es wird gescherzt und manchmal auch herzlich gelacht. Im Duden gibt es eine Antwort darauf, wie das möglich ist, dass Menschen, die anscheinend nichts zum Lachen haben, dennoch lachen können. Dort wird "Humor", der uns allen angeboren ist und nur den Menschen eigen ist,  als Ursache dafür genannt: "Humor ist die Fähigkeit, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen, sich nicht so tragisch zu nehmen und über sie und sich lachen zu können".

Es ist der Humor, dem gesunden Lachen zugrunde liegt. Der Ausdruck vom Humor ist Lachen oder Lächeln. Das Lachen allein kann allerdings nicht unbedingt als Ausdruck vom Humor gewertet werden. Eine Horde Männer, die bei schmutzigen Witzen lacht, ist nicht unbedingt ein Beweis dafür, dass sie Humor besitzt!

Glaube ohne Humor und Lachen ist ein Widerspruch in sich
Es ist verdächtig, wenn ein glaubender Mensch keinen oder nur wenig Humor besitzt! Die Heiterkeit gehört nämlich zum Christsein wie das Amen zum Gebet. Die sogenannten Seligpreisungen zeigen eindrucksvoll, wie Gottes Pädagogik für  das Leben zu verstehen ist. Die existenzielle Spannung entsteht durch Armut, Traurigkeit, Gewalt, durch Unfrieden und Ungerechtigkeit. Diese Spannung wird durch den Humor, das Lachen zur Folge hat, aufgelöst: "Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen! Freut euch, wenn das geschieht; tanzt und springt vor Freude!".

Ich kann mich noch gut an den Besuch in einer Schule in Amsterdam erinnern. Das war im Rahmen unserer steirischen Pfarrerkonferenz, die alle fünf Jahre im Ausland stattfindet. Dieses Mal war es in Holland. Die Schule lag in einem Außenbezirk, nicht weit vom Fußballstadion des berühmten Fußballklubs Ajax entfernt. Es war eine evangelische Konfessionsschule für Migrantenkinder, die aus armen Verhältnissen stammten. An diesem Tag war der Besuch eines Clowns angesagt. Wir waren in einer großen Aula versammelt. Der traurige Clown mit einer Träne im Gesicht, hat die Kinder zum Lachen gebracht.  Es war eine beeindruckende, tief christliche Botschaft: In jedem körperlichen und seelischen Zustand ist Lachen möglich! Unglückliche Lebensumstände können durch Humor nicht verhindert werden, aber: wer lacht, nimmt wenigstens für einen Moment den Leidensdruck weg. Wer mit Gott lacht, der kann dem Leid, den Nöten und Traurigkeiten des Lebens sorgloser und überlegener entgegentreten. Wer mit Gott lacht und Humor bewahrt, der lebt das Evangelium, die eine frohe Botschaft ist. In einer Welt, in der das Lachen oft abhanden gekommen ist, dürfen Christen fröhliche Menschen sein, weil die Hoffnung, die Gott schenkt, aber auch die Distanz, die aus dem Glauben wächst,  stets in ihrem Blickfeld bleibt.

Freuen wir uns mehr!
Ob man lachen lernen kann ist umstritten. Lachen auf ein Kommando hin wirkt aufgesetzt. Der Humor kann eingeübt und erbeten werden – dann ist Lachen bestimmt die beste Medizin. Friedrich Nitzsche, der vom mangelnden Humor unter den Christen so enttäuscht war, hat es weise auf den Punkt gebracht:
„Seit es Menschen gibt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut: Das allein, meine Brüder, ist unsere Erbsünde! Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, anderen wehe zu tun und Wehes auszudenken!“

 

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