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"Moderne Laster - Unzufriedenheit"

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Predigt von Tadeusz Prokop


Einstieg - Einen rundum zufriedenen Menschen getroffen
Wann sind Sie zum letzten Mal einem  zufriedenen Menschen begegnet? Wir alle kennen diese Situation: man trifft einen Bekannten oder Verwandten und fragt ihn, wie es ihm geht. Er bedankt sich zwar für die Nachfrage, fängt aber gleich an, ein Jammerlied einzustimmen. Er klagt über seine Gesundheit und erzählt uns ausführlich eine Krankheitsgeschichte nach der anderen; oder er klagt über die Arbeit, in der nur Intrigen laufen und in der von hinten, vorne und in jeder Richtung gelogen und gemoppt wird; wir hören, wie anstrengend die Kinder sind - laut, wild und streitsüchtig; oder wir erfahren über die Nachbarn, die einen wegen jeder Kleinigkeit blöd anmachen…

Doch manchmal gibt es auch Ausnahmen. Ich denke da an einen Mann zurück, den ich bei einer Beerdigung traf. Er war Kirchendiener, ein Messner. Ich habe mich in der Sakristei mehr aus Höflichkeit als Interesse danach erkundigt, wie es ihm geht. Gleich zu Beginn haben mich seine Worte angenehm berührt. Er klagte nicht über die Politik, das schlechte Wetter und die Wirtschaftslage. Nein…Ich hörte dagegen: „Herr Pfarrer, es geht mir sehr, sehr gut. Ich bin wirklich zufrieden!“

Mein Gesprächspartner, der etwa Mitte 60 war, strahlte vom ersten Augenblick eine große Freude aus, obwohl er – das merkte ich erst später -  fast blind war und in den letzten Jahren durch die unerwartete Krankheit viele Einschränkungen in Kauf nehmen musste. Er erzählte mir von den vielen kleinen Dingen des Lebens, die ihm Freude bereiten.  Zum Schluss sagte er: „Wissen Sie, das Beste wartet auf mich am Sonntag, nämlich die Frohe Botschaft des Evangeliums, die ich hören darf. Ich habe noch sehr gute Ohren“, sagte er mit mildem Lächeln im Gesicht. „Deshalb mache ich meinen Dienst unentgeltlich - aus Dankbarkeit“.

Unzufriedenheit ist eine moderne Last - im wahren Sinne des Wortes
Zufriedenheit ist eine Mangelware, Unzufriedenheit  dagegen eine moderne Last - im wahrsten Sinne des Wortes. Eigentlich hätten Menschen aufgrund der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung allen Grund dafür, glücklich und zufrieden zu sein. Das würde man so meinen. Laut Statistik waren noch vor einigen Jahrzehnten mehr als 50% Menschen mit ihrem Leben zufrieden, heute sind es kaum noch 30%.
Frauen sind doppel so häufig unzufrieden wie die Männer. Das soll mitunter ein Grund dafür sein, dass sie viel mehr als das „schwache Geschlecht“ unter Depressionen leiden.
Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie eigentlich? Ich selbst merke, dass ich an diesem Punkt kein Meister vor dem Herrn bin und dass ich  mich selbst an der Nase fassen muss - an einem solchen Tag wie heute, an dem wir über die Dankbarkeit und Zufriedenheit nachdenken.

Die Last der Unzufriedenheit ablegen
Wie kann aber die Last der Unzufriedenheit ablegt werden? Auf welchem Weg können wir zu einem dankbaren und zufriedenen Leben gelangen?
Psychologen haben festgestellt, dass wir zufrieden  und dankbar sind, wenn in unserem Leben die Zahl der positiv empfundenen Momente die negativen überwiegt. Ich möchte Ihnen ein paar Tipps geben, wie das gelingen kann. Wie Sie Dankbarkeit und Zufriedenheit lernen können.

Tipp 1: Schrauben Sie Ihr Anspruchsdenken runter
Unsere Zeit ist geprägt vom hohem Anspruchsdenken. Vor allem glauben viele, dass sie dankbar und zufrieden sein werden, wenn es ihnen materiell gut geht und sie im Wohlstand leben. Klar, ohne Geld ist das Leben schwer. Lernen Sie aber die Bescheidenheit und kommen Sie mit dem Wenigen zu Recht. Der Schriftsteller George Bernard Shaw stellte fest: Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.
Viele glauben, dass sie einen Traumjob und eine perfekte Beziehung haben müssen. Dass Sie nie über den Holzweg gehen werden. Dass ihre Meinung immer respektiert wird, sie ständig Anerkennung bekommen und viel Erfolg ernten. Ich als Pfarrer habe gelernt, nicht viel von der Gemeinde und den Menschen, die sich in der Kirche engagieren, zu erwarten. Nicht weil ich meinen Glauben an die Menschen verloren habe!  Nein, um zufriedener zu sein. Und ich merke, dass es mir gut dabei geht, weil es nicht vieles gibt, was mich wirklich enttäuschen kann. Wenn man keine hohen, übertriebenen Erwartungen hat, hält sich die Enttäuschung in Grenzen.Schrauben Sie deshalb das hohe Anspruchsdenken runter. Ein Recht auf die Schokoladenseite in unserem Leben haben wir nicht! Und sie werden merken, dass sie dadurch zufriedener werden!

Tipp 2:Nehmen sie Dinge an, die Sie nicht  ändern können
Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können. Wir können zum Beispiel auf unsere Gesundheit Einfluss nehmen durch Bewegung und Ernährung  – aber nur zum Teil. Es kommt gewiss ein Tag an dem wir merken werden, dass wir manche Laster tragen müssen - umso mehr mit zunehmendem Alter. Dass sich manche Krankheiten und Beschwerden in unser Leben eingeschlichen haben und zu unseren untrennbaren Begleitern geworden sind. Wir können auch Menschen nicht zwingen, dass sie so werden, wie wir es gerne hätten. Unsere Fähigkeiten und Begabungen sind uns auch vorgegeben aber auch all das, was wir nicht haben. Viele Situationen können wir nicht ändern und müssen lernen, sie zu akzeptieren.
Jammern und Klagen hilft nichts! Nehmen Sie Dinge an, die Sie nicht ändern können – und Sie werden zufriedener!

Hilft Glaube dazu?
Macht der Glaube zufrieden und dankbar? Davon bin ich überzeugt. Der Glaube kann tatsächlich eine Kraft sein, die uns vom Gift der Unzufriedenheit befreit. Ich habe die Gewohnheit, an jedem Morgen wenn ich bete, Gott für drei gute Sachen aus dem vergangenen Tag zu danken. Manchmal sind sie ganz klein und  unscheinbar.  Ein Buch das ich gelesen habe, ein Gespräch, das mich bewegt hat, ein Lied das mir Freude machte, ein guter Film oder auch eine gute Nacht. Diese Übung öffnet mir die Augen auf das Leben, das wirklich mit vielen guten Dingen gefüllt ist – ich muss lernen, sie zu sehen!  Und ich übe mich ein – auch wenn es nicht wirklich leicht ist – die schweren Zeiten anzunehmen. Gott schenkt uns die Kraft dazu, diese durchzustehen und es  manchmal wirklich eine  erstaunliche wenn man merkt, Glaubenserfahrung, dass Gottes Kraft in den dunklen Tagen des Lebens zur vollen Entfaltung kommt. Schöner könnte man es nicht formulieren als Paulus es getan hat: „Schließlich habe ich gelernt, in jeder Lebenslage zurechtzukommen. Ob ich nun wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und so kann ich mit beidem fertig werden: Ich kann satt sein und hungern; ich kann Mangel leiden und Überfluss haben. Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt“ (Philipper 4,12-13)
Ja, es ist  wichtig dass wir unser ganzes Leben ganz bewusst aus Gottes Hand nehmen. Nur so können wir zu unserem Leben  Ja sagen und nur so werden wir Gottes Frieden erfahren, der alle Vernunft übersteigt; eine tiefe Zufriedenheit, die aus dem Glauben wächst.

„Gebet um mehr Zufriedenheit“
Ein bekanntes Gebet fasst gut zusammen, worum es geht:
Herr, schenke mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Schenke mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen , die ich nicht ändern kann.
Und schenke mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“.

 

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