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Wort zum Tag

anstoss N glueck

Donnerstag, 29. Juni 2017

Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Jakobus 5,13

Ja, klar, natürlich. Wenn es uns nicht gut geht, dann können wir uns mit den Sorgen und Ängsten an Gott wenden. Wenn wir glücklich und vorfreudig sind, dann singen wir Gott Dankeslieder. Ja klar, natürlich.

Natürlich? Es scheint, dass es eben doch nicht so selbstverständlich war, wovon die Rede ist. Sonst müsste es nicht extra erwähnt werden. Es scheint die Rede von einem Vorgehen zu sein, das den Menschen nicht bekannt war oder das sie vergessen haben. Wenn wir leiden, dann beten wir. Wenn wir froh sind, dann singen wir.

Es klingt so einfach. Aber das ist es nicht immer. Gefühle wollen nicht so einfach aus den Köpfen, Herzen und Seelen herauskommen. Sie sitzen da, tun weh vor lauter Leid, tun weh vor lauter Glück. Die Form, der Rahmen bleiben gewahrt. Alles passt in eine Box. Man hebt manchmal den Deckel der Box, lässt etwas an die frische Luft. Vertraut sich einer Freundin, einem Freund an. Und dann kommt das Glück, kommt der Schmerz wieder in das Dunkel der Form und des Rahmens. Hier so, dort anders.

In der südlichen Erdhälfte zerreißen sich die Trauernden mancher Kulturen die Kleider, schreien und weinen. Frohe Botschaften werden mit einem Fest gefeiert, an dem Freunde und Familie teilnehmen, man singt, tanzt und lacht. Vielleicht etwas zu laut, vielleicht etwas zu schief.

Nephesh, das hebräische Wort für Kehle, bedeutet gleichzeitig Seele. Dort, wo unsere Stimme sich bildet, ist auch unsere Seele. Dort verstecken sich das Leid und der gute Mut. Sie wollen benannt, gebetet, gelacht und gesungen werden. Damit da Trost ist und bleibendes Glück.

(bt)

 

 

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