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Wort zum Tag

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Donnerstag, 17. August 2017

Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Psalm 34,20

Beim Lesen dieser Zeilen steht mir ein Mann vor Augen, den ich als einen unglaublich integren Zeitgenossen wahrnehme - für mich ein «Aufrechter», ein «Gerechter».
Gut 80 Jahre ist er alt und nimmt rege teil am Zeitgeschehen. Immer wieder bringt er sich in Debatten ein, beispielsweise durch kluge, differenzierte Leserbriefe. Seine Frau ist dement. Wegen eigener gesundheitlicher Schwierigkeiten musste er sie ins Pflegeheim bringen. Unter dieser Situation leidet er. «Was ich am meisten vermisse, wenn meine Frau nicht da ist? Ich vermisse ihre Seele in unserer Wohnung, schreibt er mir. Ich frage ihn, wie für ihn dieser Bibeltext in seiner Situation klingt.
Seine Antwort:
«Gottvertrauen ist ein grosses Wort, aber ich habe in meiner Situation gemerkt, dass es ohne Gottvertrauen oder- säkular ausgedrückt - «Hoffnung» keine Zukunft gibt. Wenn ich an die syrischen Flüchtlinge, Kinder, Frauen, Männer, mit ihrem unsäglichen Leid denke, so frage ich mich, was sie mit diesem Psalmvers anfangen können? Mit letzter Kraft müssen sie neue Wege suchen. ln solchen Genzsituationen ist vermutlich für Christen, Muslime, Juden Gottvertrauen und nicht Resignation der letzte Ausweg.»

Nicht nur Skeptikerin sein, sondern schon hoffen, wo ich doch erst zur Hoffnung unterwegs bin - das spielen mir der Psalm und dieser Mann zu.

(bt)

 

 

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