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"Vorsicht - Komische Heilige"

 

komische heilige- live gottesdienst über das internet
Predigt von Tadeusz Prokop

Christen werden Heilige genannt
„ ..an die Gemeinde Gottes...den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen…". So beginnt Paulus seinen ersten Brief an die Gemeinde in Korinth.
Was für eine schmeichelhafte Bezeichnung! Christen werden als Heilige bezeichnet.
Alle Christen sind Heilige...und gleichzeitig dazu berufen, geheiligt zu sein.
Wie sollen wir das verstehen? Was können wir damit anfangen? Dürfen wir uns überhaupt so nennen? Heilige? Ist nicht Gott allein heilig?

Die Katholische Kirche kennt besondere Heilige
Wenn es nach der Katholischen Kirche gehen soll, sind Heilige besondere Menschen, die das besondere "Etwas" besitzen, das sie von anderen unterscheidet. Dieses „Etwas“ hebt sie zur christlichen Elite auf. Ein Kurienkardinal sagte neuerlich bei einer Heiligsprechung, dass die Heiligen der große Erfolg der Kirche und des Christentums sind. Sie sind ein klares Zeugnis dafür, dass die Werte des Evangeliums realisierbar sind und nicht auf eine bloße Erklärung guter Prinzipien oder unerreichbarer Ideale reduziert werden können. Seit etwa 1000 Jahren werden solche besondere Menschen zu Heiligen ernannt. Im Katalog der Heiligen wurden im Jahre 2004 etwa 6650 Heilige und 7400 Märtyrer verzeichnet. An einem Tag gedenkt die Katholische Kirche zwischen 30 und 60 Heiligen.
Tja, solche Heiligen sind wir bestimmt nicht! Es sind besonders fromme, gerechte und keine gewöhnlichen Menschen, sondern solche mit „besonderer Qualität“ - eben mit einem Heiligenschein. Da ist die Latte für die meisten von uns einfach zu hoch, wir sind zu fleischlich und unser Leben zu alltäglich.

Sind Heilige gute Menschen?
Vielleicht meint die Bibel mit der Bezeichnung der Christen als Heilige, dass sie einfach gute, anständige Menschen sind? Sind Christen heilig, weil sie bessere Menschen wie etwa Hannes Kartnig sind? Der Ex-Präsident des traditionsreichen Fußballvereins SK Sturm Graz ist vor kurzem zu fünf Jahren unbedingter Haft und einer Geldstrafe von 6,6 Mio. Euro verurteilt worden. Ihm wurde schwerer Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Ob Christen bessere Menschen als Hannes Kartnig sind? Was für eine Frage! Viele Christen halten sich doch für gute Menschen und verweisen dabei auf die Einhaltung von Regeln und Normen, wie sie etwa in den Zehn Geboten enthalten sind. Das Problem ist, dass in der Welt es viel mehr gute Menschen als es Christen gibt und in den christlichen Reihen viel weniger gute Menschen als man das annehmen würde. Und was heißt das eigentlich wenn jemand als guter Mensch bezeichnet wird? Woran sollte man das messen? An den christlichen Taten, die es als solche eigentlich nicht gibt? Eine gute oder eine schlechte Tat ist weder christlich oder nichtchristlich. Liebe ist Liebe und Hass ist Hass.
Ob ich ein guter Mensch bin? Sie können mir glauben: Ich habe selber genug Dreck am Stecken!  Sie nicht?  Vor Jahren habe ich einen Gottesdienst zum Thema: "Ich bin ein Schwein“ gehalten. Als ich das auf mich bezogen habe, gab es einen Aufstand unter den Predigtzuhörern als wäre ich ein Heiliger.

Christen sind Heilige

Die Heiligen in der Gemeinde in Korinth sind gewiss aus einem anderen Holz geschnitzt als die mit dem Heiligenschein. Viele von Ihnen haben auch genug Dreck am Stecken! David war eine Sau was Frauen betrifft. Petrus war feige und nicht genug solidarisch mit seinem Meister. Der Charakter von Paulus war nicht geschlossen, ausgeglichen und in sich ruhend.  In der Gemeinde in Korinth gab es alle Sorten von Menschen: Es gab  Gerechte und Ungerechte; Dumme und Gescheite; Sentimentale und Unterkühlte; Neurotiker, Psychopaten und Sonderlinge; Heuchler, Feiglinge und Helden; Großherzige und Kleinliche; Infantile, Süchtige und Perverse; herzlose Bürokraten und Fanatiker…Mit solchen Menschen kann man keinen Staat bauen und wohl auch keine Kirche. Das sind Jammergestalten. An einem einzigen Punkt unterscheiden sich diese Heiligen von anderen Menschen. Dieser winzige Punkt ist der Beginn ihrer Heiligengeschichte! Paulus richtet seinen Brief an die berufenen Heiligen, die durch Jesus Christus geheiligt wurden bzw. die sich durch Jesus Christus heilen ließen. Das lässt auf eine Beziehung schließen. Nicht ein Verhalten macht einen Christen zum Heiligen, nicht das Einhalten von Geboten und biblischen Handelsweisungen, nicht Moral und Ethik, sondern ein Verhältnis!  Christentum ist eine Beziehungsreligion. Ein Theologe schrieb dazu: „Kein Mensch kann in die Sonne blicken, ohne dass sein Antlitz hell wird“.
Im Schwarzwald gibt es Orte, die im Winter monatelang keinen einzigen Sonnenstrahl abkriegen. Doch eine Familie wusste sich zu helfen und es war ansteckend für andere. Sie baute auf der Nordseite des Tals einen gut sechs Quadratmeter großen Sonnenspiegel. Der Spiegel reflektiert die Sonne und lenkt sie punktuell auf einzelne Fenster des Hauses. Alle 20 Sekunden rückt er um etwa 30cm weiter. Im Haus gibt es Licht und Wärme.

Christen werden zu den Heiligen, wenn sie in die Sonne blicken. Dadurch werden ihr Antlitz und ihr Wesen hell bzw. etwas heller. Deshalb konnte der Kirchenvater Augustinus sagen: „Liebe (Gott) und dann tue was du willst“. David war ein Sünder, aber die Kraft Gottes hat ihn verändert – er ist durch die Psalmen, von denen ihm viele zugeschrieben werden, ein Vorbild des Gebets geworden. Petrus war kein großer Held, er ließ sich aber vom auferstandenen Jesus umgürten und folgte ihm entschlossen nach. Paulus war der Kleinste unter allen (1 Korinther 15,9) – aber das Christentum ist ohne ihn unvorstellbar.  
Dabei ist es besonders wichtig, dass das Licht der Gnade Gottes unsere Schattenseiten beleuchtet. Beichte, Schuldbekenntnis – geistliche Übungen, die bei den Christen ein wenig vernachlässigt  werden - sind besonders wichtig um durch Jesus Christus geheiligt zu werden. Nur wer in den eigenen Abgrund schaut  braucht Gottes Gnade, die ihn verändert; kann begreifen, was das Licht ist und mit welcher Kraft Gott in uns und durch uns wirkt und welche Dynamik das von Gott geschenkte Leben entfaltet.

Heiligenspruch: Was willst du durch mich tun
Im sogenannten Apostolischen Glaubensbekenntnis aus dem 4. Jahrhundert, das in den Kirchen gesprochen wird, heiß es: "Credo in Spiritum Sanctum, sanctam Ecclesiam catholicam, sanctorum communionem, ...": "Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische (bzw. christliche) Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,...". Wir sind die Heiligen! Wenn wir aber durch Jesus Christus geheiligt werden, dann müssen wir nicht fragen was zu tun ist und welche Gebote wir einhalten sollen, sondern (Gott) lieben und dann fragen, was Christus durch uns tun möchte! Und dann heißt es: Vorsicht – komische Heilige!



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